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Wann wird aus Klatsch und Tratsch Denunziation?

Liebe Freundinnen und Freunde da draußen, haben Klatsch und Denunziation etwas miteinander gemeinsam? Fragt man die allwissende und allmächtige Enzyklopädie Wikipedia, dann erfahren wir: „Klatsch und Denunziation sind eng miteinander verwobene Kommunikationsprozesse, die häufig der Ausgrenzung Einzelner dienen. Die Denunziation zeichnet dabei die Besonderheit aus, dass sie an eine übergeordnete Instanz (Vorgesetzte, Partei, staatliche Stellen) ergeht, von der – in aller Regel unausgesprochen – Sanktionen gegen die Betroffenen erwartet werden. Insofern ist sie ein Mittel der sozialen Kontrolle, das die „höhere Instanz“ gern zu instrumentalisieren versucht. Nicht selten treten Neid und Rachegefühle als Motive für Denunziation zu Tage, die dann als gesellschaftspolitisches oder gar staatserhaltendes Anliegen verbrämt wird.“

Warum fällt es uns Menschen so schwer, einander einfach so leben zu lassen, wie der jeweils andere es für richtig hält? Warum beschimpfen sich Freunde auf einmal auf üble Art und Weise, wenn jemand zum Beispiel im Supermarkt keine Maske trägt, der andere aber aufgrund besonderer persönlicher Vorsicht und Angstzuständen nicht ohne Maske das Haus verlässt? Warum zeigt ein Freund den anderen auf einmal bei Behörden zum Beispiel aufgrund nicht eingehaltener Mindestabstände an, mit der Folge, dass das Restaurant des Freundes geschlossen wird?

Der Psychologe Wolfgang Albrecht beschreibt das Phänomen so: „Der Denunziant handelt in der Regel aus Ressentiment oder Rachebedürfnis. Er fühlt sich im Recht zur Anzeige, weil er eine vermeintliche Fehlhandlung seines Ehegatten, Verwandten, Freundes, Arbeitskollegen oder Nachbarn wahrgenommen hat. Dass er ein Vertrauensverhältnis ausnutzt und missbraucht, hindert ihn nicht, sich illoyal zu verhalten. Durch den Vertrauensbruch kann er sich aufgrund von schlechtem Selbstwertgefühl mithilfe der Rache eine kurzfristige narzisstische Euphorie verschaffen. Die emotionale Formel dafür lautet: „So, dem habe ich es jetzt aber mal gezeigt. Dem musste ja mal das Handwerk gelegt werden.“ Dass Denunziation das Risiko beinhaltet, dem Denunzierten die soziale und berufliche Existenz zu gefährden oder zu vernichten, nimmt der Denunziant billigend in Kauf.“

Heather Cornell von der Universität Washington zeigte übrigens in einem kuriosen Experiment, dass Krähen durch Verpetzen lernen. Dazu setzte sich ein Forscher eine Neandertalermaske auf, fing mit dieser Verkleidung einige Krähen auf dem Campus ein und ließ sie nach kurzer Zeit wieder frei. Wenn in der Folge Menschen mit Neandertalermasken am Campus herumgingen, beschimpften 26 Prozent der Krähen diese als Bösewichte. Als zweieinhalb Jahre später wieder Menschen mit Neandertalermasken am Campus auftauchten, waren bereits 66 Prozent der Vögel alarmiert, fünf Jahre später verpetzten sogar Krähen die Maskenträgerinnen, die vor fünf Jahren noch gar nicht geboren waren, das heißt, sie wussten bereits, dass Lebewesen mit Neandertalermasken böse sind.

In diesem Sinne, versuchen wir einfach einmal, mehr mit als übereinander zu reden. Das kann große Erfolge bei der Gesundung von uns Menschen erzielen.