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Die Untermieter

Ich gebe jetzt endlich, auch ganz offiziell, zu: Ich bin die Erfinderin von airbnb! Die Jungs haben sich das bei mir abgesehen und waren clever genug, aus dieser Idee ein multi Trillionen Dollar Unternehmen zu machen. Übrigens ein ganz wunderbares Beispiel dafür, das aus – von Investoren zigfach abgelehnten Business-Ideen – doch am Ende etwas werden kann…..:-)

Aber nun zur mir:

In Zeiten knapper Kasse muss Frau erfinderisch werden. Ich wanderte vor einiger Zeit durch mein Zuhause und machte mir intensive Gedanken darüber, wie ich ein bisschen Geld sparen könnte. Nach meiner eigenen Hausbesichtigung stellte ich fest, dass Kleiderschrank Nr. 5 im Grunde auch ganz dufte auf die Terrasse passen würde.

Gedacht – getan. Auf einmal  hatte ich ein zusätzliches freies Zimmer mit einem eigenen, kleinen Bad. Die Zeit der Untermieter und WG-Partner begann…..der Deal: für das WG-Zimmer hatte im Gegenzug immer der Kühlschrank, der Weinschrank UND die Kühltruhe gut gefüllt zu sein!

Untermieter Nr.1: Der Italiener

Ich lernte Lucio über einen gemeinsamen Freund kennen. Ein Italiener wie aus dem Bilderbuch. LOCKEN. Groß. Toller Teint. Er hatte sich gerade von seinem Freund getrennt und suchte vorübergehend eine neue Bleibe. Am nächsten Tag zog Lucio bei mir ein. Ich freute mich auf lustige Pasta-Abende bei Vino tinto und italienische Lieder. Von wegen. Lucio verfiel in tiefe Depressionen, lag den ganzen Tag im Bett und der Kühl- und Weinschrank gähnte mich leer an! Gott sei Dank versöhnte sich Lucio nach wenigen Wochen mit seinem Freund und zog wieder bei mir aus!

Untermieter Nr.2: Der Engländer

Sebastian lernte ich in einem Restaurant kennen. Er machte auf mich einen emotional angeschlagenen Eindruck und die erste Unterhaltung kam etwas zögerlich in Gang. Er war beruflich viel unterwegs und wie sich herausstellte, suchte er tatsächlich ein Zimmer zur Untermiete. Nach gefühlten 6 Monaten zog er bei mir ein. Ein ruhiger und angenehmer Zeitgenosse, der jedoch mit einer rheinischen Frohnatur wie mir so seine liebe Not hatte. In mir verstärkte sich mit der Zeit der Verdacht, dass er neben seiner Wirbelsäule einen Stock eingepflanzt hatte, der ihm das Leben ziemlich schwer machte. What a pitty! Ich hoffe für ihn, dass er dieses elende Holzteil irgendwann aus seinem Körper entfernt – denn dann wird er feststellen, dass das Leben auch seine schönen und leichten Seiten hat. Ich wünsche es ihm von Herzen – er hat es verdient!

Untermieter Nr. 3: Der Russe

Kaum war der Engländer raus, stand der Russe auf der Matte. Ein Bekannter hatte von meinem freien WG-Zimmer berichtet.

Ich erinnere mich noch genau: Es war ein dunkler Oktober-Abend und es regnete junge Hunde. Als es klingelte öffnete ich die Türe und draußen stand: Peter. Doktorand an der Uni. Peter trompetete mit seiner tiefen Stimme: Cooooonnny, hier bin ich, schleppte nach und nach mehrere Koffer und Tüten von der regnerischen Straße ins Haus und strahlte mich an. Nach nur 2 Minuten sah es in meinem Hausflur aus wie nach einer atomaren Explosion.

Das konnte ja heiter werden. Und das wurde es auch. Wir haben wirklich unglaublich viel Spaß zusammen gehabt. Nächtelang wurde gekocht, gegessen, Wein (er und ich) und Wodka (er) getrunken, gesungen und getanzt. Zu vorgerückter Stunde entwickelten wir auch die ein oder andere neue Meditationsübung, an denen Buddha seine helle Freude gehabt hätte. Es könnte auch als Kunst-Installation durchgehen – je nach Gusto….

Nachdem Peter begriffen hatte, dass eine Kühlschrankfüllung nicht nur aus Wodka und Bier besteht lief es in unserer WG tippi toppi. Sein Zimmer habe ich kein einziges Mal betreten, ich glaube ich hätte dieses Chaos darin einfach nicht verkraftet  Peter wurde auch in Punkto Kerle ein wichtiger Ratgeber für mich. Und er lag mit seiner Einschätzung immer richtig!

Wir brachten uns gegenseitig wichtige Aspekte unserer Kulturen bei. Ich lernte zum Beispiel, dass der russische Mann seiner Partnerin auch tagsüber immer ausreichend Komplimente machen muss – sonst fliegt ihm abends zur Begrüßung erst einmal ein Teller an den Kopf. Seit dieser Zeit habe ich immer genügend weißes, schlichtes, nicht allzu teures Porzellan im Haus

Peter und ich sind bis heute eng befreundet! Und wann immer wir uns sehen – gibt es viel zu lachen…..:-) Danke mein Lieber – es ist sehr schön, dass es Dich in meinem Leben gibt!

 

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