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Unterhaltung

Die Macht der Bilder

Warum bei Kommunikation der Inhalt am wenigsten zählt

Liebe Freundinnen und Freunde da draußen, der Psychologe Albert Mehrabian kam in einer Studie über unsere zwischenmenschliche Kommunikation zu einem interessanten Ergebnis: der Inhalt zählt am wenigsten (nur rund sieben Prozent von 100 Prozent Nachricht), wichtiger sind der stimmliche Ausdruck und die Körpersprache. Daraus kann man salopp formuliert die Schlussfolgerung ziehen, dass der größte Blödsinn in einer Nachricht untergeht, so lange der Übermittler eine gute Körpersprache und eine angenehme Stimme hat. Umgekehrt kann der beste Inhalt in einem Vortrag kaum bis zum Publikum vordringen, wenn der Sprecher in seiner nonverbalen Kommunikation nicht überzeugt – die Zuhörer schalten ab und fangen an zu gähnen.

Bei einer geschriebenen Mitteilung oder im Fernsehen hingegen gehört die Macht der Nachricht den Bildern. Bilder wecken Emotionen, bestimmen unsere Erinnerung und der Beeinflussung sind keine Grenzen gesetzt. Die Suche nach angenehmen Gefühlen ist vielleicht der wichtigste Grund für unseren enormen Medienkonsum: Im Durchschnitt verbringen die Menschen im deutschsprachigen Raum täglich sieben Stunden mit medialen Video-, Audio- und Textinhalten. Das muss man mal sacken lassen. In der Gesamtbevölkerung dominiert das Fernsehen mit einem Anteil von 76 Prozent, während das Radio mit 79 Prozent den Löwenanteil der Audionutzung ausmacht. Zu diesen zentralen Ergebnissen kommt die Studie ARD/ZDF ‚Massenkommunikation Trends 2019’. Drei Stunden läuft der Fernseher  „weil ich mich informieren möchte“, wie 92 Prozent der Zuschauer versichern. In Wirklichkeit läuft auch im TV meistens Unterhaltung und die dient vor allem der Steuerung eigener Gefühle.

Der Medienpsychologe Dolf Zillmann von der Universität Alabama hat dazu sehr interessante Experimente durchgeführt. Zillmanns Gruppe konstruierte zu Forschungszwecken ein eigenes Nachrichtenmagazin ähnlich dem Time Magazin, in dem je nach Bedarf die Fotos ausgetauscht werden konnten. So wurde ein Bericht über den Wirtschaftsgipfel in Seattle einmal mit der Nahaufnahme einer blutüberströmten Demonstrantin illustriert, ein zweites Mal mit den unbewegten Mienen zweier am Verhandlungstisch sitzender Unterhändler. Eine versteckte Videokamera hielt fest, wie lange Versuchspersonen die unterschiedlichen Beiträge betrachteten: Texte mit harmlosen Fotos fesselten die Leser 17 Prozent länger als Berichte ohne Bilder. Hatten Nachrichten jedoch bedrohliche Bilder, wirkten sie mit 32 Prozent fast doppelt so stark.

Zillmann erklärt die Macht der Bilder mit unserem evolutionären Erbe:

„Ereignisse, die Emotionen aufwühlen, sind offensichtlich wichtiger und mit Hinsicht auf das Wohlergehen des Individuums eher erinnerungswürdig als nicht weiter bedrohende Begleitumstände. Wer zum Beispiel einen Verletzten sieht, erkennt sofort, dass er selbst in Gefahr schwebt und reagiert alarmiert. Möglicherweise werden optische Eindrücke sogar in einem eigenständigen Gedächtnis als stilisierte Bilder separat gespeichert. Dies könnte erklären, dass Bilder auch dann noch eine intensive Nachrichten Wirkung entfalten, wenn die Erinnerung an die Information der Nachricht schon verblasst ist.“

Wenn Emotionen und Bilder offensichtlich eine solche Macht über uns haben, dann haben es Fakten manchmal schwer. Es kann sich daher lohnen, sich wirklich mehr auf die Inhalte zu konzentrieren.

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