fbpx
Unkategorisiert

Warum bist DU hier?

Ich lüfte jetzt einmal ein kleines Geheimnis. Ich bin gar keine echte Blondine. Nicht mehr. Nach gedunkelt. Der Zahn der Zeit, was will Frau machen. Ich helfe daher ab und zu mit einer langen chemischen Formel, die einen infernalischen Gestank verbreitet, beim Coiffeur meines Vertrauens nach. Vielleicht kommt es also daher, dass ich denke. Trotz blonder Matte. Manchmal zumindest. 

Eine Frage beschäftigt mich seit einer ganzen Weile: Warum bin ich hier? Haben SIE (ja, Du da, der das hier gerade liest) sich das schon einmal gefragt? Für mich eine spannende Frage! Eine Antwort habe ich bis heute nicht gefunden. Ich suche fröhlich vor mich hin. Manchmal jedoch scheint es mir, als nähere ich mich einer Antwort….

Im Laufe der vielen Coaching-Gespräche, die ich in den letzten 10 Jahren geführt habe, wurde eines meiner Talente besonders geschult: Ich lernte zuzuhören. Ich lernte auch die Dinge zu hören bzw. zu erkennen, die nicht gesagt werden. 

Ich schildere nun kurz die Geschichte von Ralf. Ich habe seine Erlaubnis diese Geschichte zu erzählen – er bat mich nur, nicht seinen richtigen Namen zu nennen. Ich taufe ihn also Ralf.

Ralf und ich lernten uns über einen Auftrag kennen und arbeiteten eine Zeit lang eng zusammen. Wir sprachen auch über persönliche Dinge und er erzählte mir, welche schönen Erinnerungen er an seine Kindheit habe. Seine Mutter und seine Großmutter hätten ihn Immer liebevoll verwöhnt und auch mit seinem Stiefvater kam er blendend zurecht. An seinen leiblichen Vater hatte er keine Erinnerung mehr – die Eltern trennten sich kurz nach seiner Geburt. Es schwang ein bisschen Zorn und auch Enttäuschung in seiner Stimme. Er hatte seit 46 Jahren nichts mit seinem leiblichen Vater zu tun. Und auch seine Mutter sprach niemals über ihn. Ich bemerkte, wie sehr Ralf das beschäftigte. Ich schlug ihm vor, doch einfach mal nach seinem Vater zu forschen und Kontakt zu ihm aufzunehmen. Ralf hatte eine ungefähre Ahnung wo er lebte. Doch das lehnte er entrüstet ab – der Vater habe die Familie verlassen. Selbst schuld. 

Ich gab Ralf zu bedenken, dass jeder nach Paul Watzlawick Baumeister seiner eigenen Wahrheit und Wirklichkeit ist. Ralf konnte nicht wissen, warum sein leiblicher Vater die Familie verlassen hatte. Die Wahrheit seines Vaters kannte er nicht, denn er hatte nie mit ihm gesprochen. Was hatte er zu verlieren? Das schlimmste was passieren konnte war, auf einen Brief an den Vater keine Antwort zu erhalten. 

Ralf dachte mehrere Wochen darüber nach. Dann schrieb er einen Brief an seinen leiblichen Vater und schickte ihn an die vermutete Adresse. 

Wenige Tage später erhielt ich spät am Abend einen Anruf. Ein in Tränen aufgelöster Ralf las mir den Brief seines leiblichen Vaters vor – er hatte Ralf innerhalb von 4 Tagen geantwortet. Ralf erfuhr unter anderem, dass er drei Halb-Geschwister hat. Und er erfuhr viele andere Dinge vom Vater – seine Sicht auf die Dinge. Aus Angst und Scham hatte der Vater all die Jahre nicht die Kraft gefunden, seinen ältesten Sohn zu kontaktieren. Doch er hatte immer die Hoffnung, dass sein Sohn eines Tages zu ihm komme. 

Bertrand Piccard, der wunderbare Abenteurer und Flieger, sagte nach seiner ersten Weltumrundung mit einem Solarflugzeug: 

“Why don’t we dare more? Why don’t we dream more?” 

Warum bist DU hier? 

 

 

 

You Might Also Like...